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     July 19, 2019 02:23 CET
 


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Wie kann man Fieber senken?

Wohl wegen einer grippeartigen Infektion habe ich gerade 40°C Fieber. Wie kann ich es senken?
U.W., CH-5024 Küttigen

Antwort: Das Fieber (ab 38,5°C spricht man davon) ist nach Infektionen erwünscht und ein Beweis dafür, dass ein Heilungsprozess abläuft, d.h. die Erreger werden bekämpft; die höhere Körpertemperatur verbessert Ihre Selbstheilungskräfte. Wenn die Körpertemperatur aber gewisse Höhen erreicht – bei 40°C spricht man von hohem Fieber –, wie das bei Ihnen der Fall ist, ist eine Temperaturabsenkung um 1 bis 1,5°C angezeigt. In der Regel sind die Temperaturen am späten Nachmittag am höchsten. Ab 40,5 bis 41°C würde es gefährlich. Es muss ja nicht unbedingt zu Schüttelfrösten, wie sie den Temperaturanstieg begleiten können, oder Gliederschmerzen kommen.

Eine der bewährtesten Methoden ist die Anwendung von Essigwickeln und/oder Essigsocken, die im naturheilkundlichen Bereich seit Jahrhunderten bekannt sind. Der Essig hat eine leicht desinfizierende Wirkung. Damit lindert man das Fieber zwar, aber es wird nicht unterdrückt, und das schadet den Selbstheilungskräften wenig. Das Abwehrsystem des Körpers kann seine Aufgabe erfüllen. "Gib mir ein Mittel, das Fieber hervorruft, und ich heile dir jede Krankheit", sagte der griechische Philosoph und Arzt Parmenides aus guten Gründen im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung (um 515-445).

So wirds gemacht: Geben Sie leicht temperiertem Wasser etwas Essig (etwa 2 Esslöffel pro Liter Wasser) zu, tränken Sie Wolltücher oder Frottiertücher damit, drücken Sie etwas Essigwasser aus, bis die Tücher nicht mehr tropfen, und wickeln Sie diese um die Waden eventuell auch um den Leib. Die Füsse überziehen Sie in gleicher Weise mit einem Paar nasser Socken, und über diese stülpen Sie ein Paar trockene Wollsocken. Wenn Sie sich ins Bett legen wollen, empfiehlt es sich, eine Plastikfolie unter ihre Beine und Füsse zu legen, damit Ihr Schlafzimmer dann nicht während längerer Zeit nach einem Salatbuffet duftet.

Für die Nacht geben Sie gehackte Zwiebeln in Baumwollsocken, und dann können Sie gut schlafen.

Wärme können Sie auch bei hochfiebernden Krankheiten durch Kaltwaschungen des ganzen Körpers abführen; solche können täglich mehrmals angewandt werden. Aber das Fieber darf nicht vollständig beseitigt werden; denn viele krankmachende Bakterien und Viren gehen bei der erhöhten Temperatur zugrunde; sie sind besonders empfindlich auf Temperaturveränderungen und besonders auf ansteigende Temperaturen. Fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure müssten deshalb im Normalfall beiseite gelassen werden, d.h. sie sollten nur für Notfälle reserviert sein und zurückhaltend eingesetzt werden, etwa wenn Kopf- oder Gliederschmerzen bekämpft werden müssen.

Der so genannte Fiebertee besteht aus einer Mischung von Lindenblüten, Holunderblüten und Spierblüten zu gleichen Teilen. Auch Stechpalme, Eberwurz und Fieberklee kommen in solchen Fällen zum Einsatz. Gute Mittel sind auch Echinacea-Tropfen (Sonnenhut) aus der Drogerie – davon nimmt man alle 2 Stunden 10 Tropfen – oder der Eisenhut (Aconitum napollus).

Die Verwendung der Stechpalmenblätter (Ilex aquifolium L.) war schon im Altertum bekannt (die korallenroten Steinfrüchte aber sind giftig; sie wurden früher als Abführmittel verwendet). Im "Farbigen Buch der Arznei- und Giftpflanzen" von Karl Hiller und Günter Bickerich (Signa Verlag in der Dornier Medienholding, Berlin 1997) wird aus schulmedizinischer Betrachtungsweise sogar vor der Verwendung der Blätter wegen geringer Mengen eines cyanogenen Glycosids gewarnt – in der gesamten mir bekannten naturheilkundlichen Literatur[1] gibt es das nicht. Bei synthetischen Medikamenten ist die Schulmedizin dann weniger zimperlich.

Aus den Stechpalmenblättern, die man an Palmsonntagen zu Schmuckzwecken verwendet, bereitet man einen Tee zu. Dieser hat eine dank seiner Inhaltsstoffe wie Bitterstoffe, Ilicin, Flavonide, Theobromin, Koffein und Spuren von Vanillin und Mineralsalzen eine fiebersenkende, krampflösende und stärkende Wirkung; er löst Husten und ist harntreibend. Oft werden bei hohem Fieber auch homöopathische Mittel wie Belladonna D6 eingesetzt.

An Fiebertagen sollte man kühlende Speisen essen (lesen Sie dazu bitte auch den Ratgeber "Innere Hitze"), kaum Fleisch, dafür viel Obst und vitaminhaltige Fruchtsäfte – der Körper braucht viel Flüssigkeit, besonders wenn er schwitzt. Lindenblütentee mit Zitrone ist in solchen Fällen ein naheliegendes Getränk. Gemüsebrühen und Haferschleimsuppen gehören jetzt ebenfalls auf die Speisekarte.

Das Abfallen des Fiebers nach der gewonnenen Abwehrschlacht gegen die Erreger kündigt sich durch Schwitzen an. Alsdann ist es angezeigt, wieder zu normalen Betriebstemperaturen zurückzukehren und auf eine Stärkung des Immunsystems bedacht zu sein.

h.

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[1] Als ein Beispiel sei hier erwähnt, was im Buch "Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen", Verlag Das Beste, 1978, über die Stechpalme steht; meistens liest mans ähnlich: "...Die Pflanze hat fiebersenkende und krampflösende Eigenschaften. Ihre korallenroten Steinfrüchte dürfen auf keinen Fall gegessen werden; sie enthalten giftige Stoffe, die schon zu Todesfällen geführt haben." (...) "Wirksame Teile: Blätter (das ganze Jahr über), Rinde (Frühling); Trocknung im Schatten oder an der Sonne. Inhaltsstoffe: Gerbstoff, Ilicin. Medizinische Eigenschaften: Erweichend, fiebersenkend, krampflösend, tonisch. Anwendung: Innerlich und äusserlich bei Bronchitis, Durchfall, Fieber, Rheumatismus." Dem gleichen Buch ist das folgende Rezept entnommen: Stechpalmenwein: 25 g frische, gehackte Blätter auf ein halbes Glas 60-prozentigen Alkohol, eine Woche ziehen lassen, dann eine Tasse Weisswein beifügen und nochmals eine Woche stehen lassen; 3-mal täglich 6 Esslöffel.

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