Textatelier
BLOG vom: 27.04.2017

Aphorismen mit oder ohne Schatten

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London


Es braucht viele Anläufe im Leben, um einen Wunschtraum zu verwirklichen.

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Verweile auf der Schwelle der Vorfreude – sie übertrifft die Freude, die leicht wie eine Seifenblase platzt.

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Hasche nicht den Schatten, der sich unter der Sonne vor dir verlängert. Folge ihm!

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Wer den Schatten hinter sich herzieht, sollte sich nicht umdrehen.

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Der Schatten erhellt sich langsam am Wolkenrand, wie der Wind vordringt und ihn lüftet. Das stimmt heiter. Eine pechschwarze Wolke bedrückt. Ob Hellseher oder Schwarzseher: die Wahl ist freigestellt.

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Niemand kann über seinen Schatten springen.

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Schattenspiele unterhalten Kinder. Mein Vater hat sie mir beigebracht.

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Der Schattenwurf hinterlässt keine Beule.

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Wer auf der Schattenseite lebt, findet keine Rosen.

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Der Vollmond zaubert seine goldene Helle durchs Fenster des Schlafzimmers.
Dieses Schauspiel geniesse ich, bis meine Lider fallen, vom gütigen Mann im Mond in den Schlaf gelullt.

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Der erste Eindruck gewinnt. Der zweite verliert.

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Mit einem wackeligen Gebiss ist schwer lachen.

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Bloss vom Instinkt geleitet genügt nicht. Der Verstand muss ihn im Zaum halten.

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Es gibt kein grösseres Übel als die kleinen.
Das grosse Übel hingegen tilgt die kleinen, was vielfach unbemerkt bleibt.

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Der Wein ist auch dazu geschaffen, die Wartezeiten zwischen mehreren Gängen (Mahlzeit) angenehm zu füllen.
Mach' aus dem Drama kein Melodrama.

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Kleiner Streit und Zank verursachen den grössten Lärm.

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Plustert sich der Wicht, werden ihm die Federn gerupft.

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Der Phantast prahlt ins Leere und entbehrt der Phantasie.

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Zu offen ausplaudern, erweckt Misstrauen.

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Der Denkfaule ist sein eigenes Hindernis.

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Schafwolken grasen im Himmelsblau.

 


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