Textatelier
BLOG vom: 27.04.2016

Aphorismen

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London


Lass los von vergeblichen Mühen. Widme dich solchen, die du meistern kannst.

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Fliessen Gedanken ineinander, erzeugen sie oft einen neuen.

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Zur Not geht vieles, das ohne Not nicht ginge.

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Ein guter Einfall muss festgehalten werden, sonst entfliegt er.

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Voreilige Schlüsse zieht, wer im weiten Bogen dem Kern der Tatsache ausweicht – ohne es zu bemerken.

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“Der Kluge gibt nach” ist eine Redensart, die ihre Grenzen hat. Man muss der Dummheit Einhalt gebieten.

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Gerne wühle ich in meinem Gedankenfach, ohne etwas Bestimmtes zu suchen. Das entzündet manchmal unverhofft eine Inspiration.

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Der beste Besitz ist ein gutes Gewissen.

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Frohmut gewinnt dem Leben gute Seiten ab.

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Wer Lob erhofft, muss gerechtfertigten Tadel schlucken.

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Die Tiefensonde des Geistes durchdringt keine versteinerten Menschen.

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Frage: Will der Scharfsinnige bloss imponieren? Wenn dem so ist, leidet er an Gefallsucht.

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Suche das Gleichgewicht zwischen Verstand und Herz. Sie ergänzen einander.

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Der Drehorgelmann spielt die Melodie aus dem Handgelenk, bis genug Münzen in der Blechschale auf seinem Leierkasten klimpern. Sonntags begleitet ihn die Stimme seiner Frau auf dem Vorplatz einer Kirche in Bologna. Damit bereitet er den Kindern und Eltern viel Freude. Und was hat der pfiffige Spielmann auf einem Karton geschrieben: Fotoaufnahmen kosten 3 Euro!

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Gute und schlechte Omen sind vermeintliche Vorboten von künftigen Ereignissen im Bereich des Aberglaubens. Die Vernunft entmachtet sie weitgehend. Den guten Omen gestatte ich dann und wann Einschlupf.

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Viele meiner Manuskripte aus meiner Jugend sind in Schubladen eingelagert. Ich hoffe, dass sie dort ausreifen.

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Sein Schlüssel zum Glück passte in kein Schloss.

 


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