Textatelier
BLOG vom: 25.04.2016

Das ist Käse …

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London


Schon als Dreikäsehoch mochte ich Käse, besonders Tilsiter. 

Die Schweiz ist ein wahres Käseparadies! 

Am liebsten erlabe ich mich u.a. mit Appenzeller, Gruyère, Ziegenkäse und Tête de Moine. Hinzu gesellen sich Fondue und Raclette als Gerichte. Von der unsinnigen und abschätzigen Redensart “das ist Käse” will ich folglich nichts wissen.

Labquark ist die Urform der Käse und entstand vor runde 7500 Jahren. In der westlichen Welt soll es rund 5000 Käsesorten geben. Doch hier möchte ich mich nicht in der Käsegeschichte verlieren und verweise auf Wikipedia.

*

Als meine Eltern und ich Ferien in Klosters verbrachten, waren wir in einer Pension untergebracht. Es regnete und ich hatte “Hausarrest”. So kam es, dass ich in der Vorratskammer einen Topf im Keller entdeckte. Neugierig hob ich den Deckel vom Topf. Eine von Maden durchlöcherte glitschige Masse verschlug mir den Appetit. Als ich meinem Vater sagte, was ich gefunden hatte, erklärte er mir, das sei eine Käsedelikatesse für Kenner bestimmt. “Das glaube ich dir nicht”, antwortete ich ihm, “das ist ein verdorbener Stinkkäse.” Mein Vater, ein waschechter Bündner (aus Graubünden), fügte gelassen hinzu: “Dieser pikante Käse schmeckt besser als er aussieht. Dabei liess er es bewenden. Als nach dem Abendessen eine Käseplatte als Dessert herumgereicht wurde, verschwand ich blitzrasch.

Nebenbei bemerkt: Ein guter Mann hatte alle Löcher im Emmentaler gegessen. Dieser Mann hat erfasst, wie man von der Luft satt wird.

Das Abendessen im Londoner “Boarding House” liess zu wünschen übrig. Gleich um die Ecke in einer Imbissecke, vom Inhaber als “Omlethouse” getauft, genoss ich gern Käseomeletten mit allerlei Zutaten. Sie wurden mir im Nu aufgetischt. Als “Strohwitwer”, während meine Frau und Söhne Persien bereisten, ging ich entweder in Wimbledon indisch essen oder begnügte mich mit einer Käseomelette im Handumdrehen fix und fertig als Tellergericht zubereitet.

Stilton ist ein englischer Schimmel-Käse, den ich mag und der in einer Käsetheke in Wimbledon aufliegt.

Was ich nicht mag, sind Käse in Plastikfolien verpackt, wie er in Kettengeschäften aufliegt. Der Käse muss atmen können, meine ich, allenfalls kurzfristig in einer Käseglocke oder locker mit Käsepapier umwickelt im Kühlfach aufbewahrt.

 


*
*    *

Hinweis auf weitere Blogs von Meier Pirmin
Hans Küng – Warum die katholische Kirche nicht zu „retten“ ist
Wie weit ist Astrologie eine Beratungswissenschaft?
Was uns Albrecht Goes, Kurt Marti und andere «Pfarrer»-Dichter zu sagen haben
Flavio Cotti – Sein Profil waren Bildung und Kultur
Adventsgedanken eines wohlmeinenden Kirchenkritikers
Föderalismus oder Wie werden in der Schweiz die Kinder gemacht?
Erwin Jaeckle – Aphorismen eines Publizisten u. Parlamentariers
Pierre Wenger – Ein wegweisender Geschichtslehrer
A propos tote Fische und Pandemie
Das Lokale ist das Genaue
Rückblick auf den Autor Siegfried Lenz
Kant – zu Lebzeiten umstritten und heute abermals
Ein „Achtzehnbittengebet“ als Hommage an Klaus von Flüe
Heilpflanzenkunde nach Paracelsus – eine Kostprobe
Für Prof. Lübbe war Schwarzenbach "Poujadist"