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BLOG vom 18.07.2019
Ramona Engel: Ein Herz für Schmetterlinge

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D


Schwalbenschwanz
 

Ramona Engel, eine junge Wyhlerin*, engagiert sich für den Schutz und Erhalt heimischer Schmetterlingsarten und dokumentiert ihre Aufzucht auf Facebook. In einem Bericht von Ursula Schiller, Redakteurin der „Badischen Zeitung“ wurde ich auf die interessante Tätigkeit der Liebhaberin von Schmetterlingen aufmerksam. Sehr eindrucksvoll waren im Artikel das Bild einer vergrössert dargestellten Raupe, die sich an einem Halm festhält und das Foto eines prächtigen Schwalbenschwanzes.

Die Aufzucht ist von großer Bedeutung, da es immer weniger Schmetterlinge gibt. Die Zerstörung der Lebensräume, Umweltgifte und auch der Klimawandel setzen die zarten Schmetterlinge zu. Oft finden wir in Parks und Gärten kaum noch heimische Pflanzen, die wichtig für die Ernährung der Falter sind. Die exotischen Pflanzen schmecken unseren heimischen Arten nicht.

*Grenzach-Wyhlen, D

Es ist mir eine Freude, Ramona Engel den Leserinnen und Lesern des Textateliers vorzustellen. Folgende Interviewfragen beantwortete sie mir sehr gerne.

Seit wann haben Sie die Liebe zu den Schmetterlingen entdeckt?

Ramona Engel: Seit meiner Kindheit faszinieren mich die wunderschönen farbenfrohen Falter. Also habe ich im Sommer 2018 beschlossen, ihre Population mit der geschützten Aufzucht in Netzbehältern (Aerarium) von Ei oder Raupe ab aufzuziehen.

Sie haben sich vor der Aufzucht ein Grundwissen angeeignet. Welche Informationen waren für Sie wichtig?

Ramona Engel: Vor der Aufzucht heisst es reichlich Informationen sammeln, wie zum Beispiel:
- Zu welchem Schmetterling gehört welche Raupe?
- Welche Futterpflanzen fressen die jeweiligen Raupen?
 - Mögen sie sonnige Plätze oder eher schattige?
- Habe ich immer reichlich Futter zur Verfügung? 

Wenn man dies als Grundwissen besitzt und sich dann die passenden Netzbehälter (Aerarium) besorgt, kann man schon loslegen.

Die Futterpflanzen für Raupen und Schmetterlinge sind sehr wichtig. Welche sind die richtigen Futterpflanzen?

Ramona Engel: Ich habe in meinem Garten ausreichend Futter für Schmetterlinge. Es ist so einfach, unseren Schmetterlingen etwas anzubieten. Wenn nur jeder Gartenbesitzer ein kleines Fleckchen im Garten dafür reserviert, dann bekommen die Falter genügend Nahrung. Das Tagpfauenauge und das Landkärtchen bevorzugen Brennnesseln, der Schwalbenschwanz hat gerne Fenchel, wilde Möhre und Dill.

Welche Raupen zur Aufzucht empfehlen Sie für Einsteiger?

Ramona Engel: Als Einsteiger empfehle ich Brennnessel fressende Raupen, wie z.B. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs (sonnige Plätze) oder das Landkärtchen (schattig / Wald). Findet man ein Nest, sammelt man dies nicht komplett ab, sondern nur einige pro Nest. Ein Teil sollte immer der Natur überlassen bleiben. Raupen dienen auch als Futter anderer wichtiger Tiere. Ausgenommen das Nest befindet sich an einen Platz, der vermutlich bald gemäht wird, dann bitte alle Raupen retten. Eier kann man nicht absammeln, hier darf das komplette Gelege mitgenommen werden.


Raupe eines Schwalbenschwanzes
 

Was müssen Sie bei der Aufzucht beachten, wie gehen Sie vor?

Ramona Engel: Hat man die Raupen nun zuhause und im Netzbehälter, heisst es reichlich füttern. Futterpflanzen sind immer diese worauf man die Raupen gefunden hat. Um die Futterpflanzen zu wässern nehme ich Weck Gläser und decke diese mit Frischhaltefolie ab. In die Folie steche ich dann kleine Löcher, um die Pflanzen dort hinein stecken zu können. So verhindert man, dass die Raupen ins Wasser fallen und ertrinken.

Den Boden des Aerariums lege ich mit Zewa aus, dieses sollte täglich gewechselt werden. Raupen fressen sehr viel, dementsprechende machen sie auch sehr viel Dreck.

Wie lange dauert die Metamorphose vom Ei bis zum Schmetterling?

Ramona Engel: Vom Ei bis zum Schlupf dauert es 7 – 10 Tage. Sind die Raupen nach 3 – 4 Wochen gross genug, werden sie sich einen Platz zum Verpuppen suchen. Zur Hilfe kann man Holzstäbe oder Zweige verwenden, an denen sie sich verpuppen können. Nachtfalter- und Schwärmerraupen ziehen sich in die Erde zurück, um sich dort zu verpuppen. Hier eignet sich ein Gefäss mit lockerer unbehandelter Erde. Dieses stellt man dann ins Aerarium.

Dann heisst es nur noch abwarten, bis die hübschen Flattermänner schlüpfen (1-2 Wochen). Die Metamorphose vom Ei bis zum Falter dauert also rund 6 Wochen.

Welche Kameras benutzen Sie für ihre eindrucksvollen Aufnahmen?

Ramona Engel: Ich dokumentiere die Aufzucht mit einer Spiegelreflexkamera und Makrolinse (Nikon Coolpix P900 / Automatik / Raynox Macroscopic Lens Model M-250), dann benutze ich noch das Huawei P20 Pro.

Sie sind auch auf Facebook präsent. Hier kann jeder Nutzer die Aufzucht mit Fotos verfolgen. Wie ist die Resonanz? Gibt es Nutzer, die eine solche Aufzucht planen?

Ramona Engel: Zurzeit habe ich über 230 Abonennten. Die Zahl steigt täglich. Ich bekomme Anfragen zur Aufzucht, Bestimmungshilfe, richtige Bepflanzung etc. Es gibt auch einzelne Freunde der Schmetterlinge, die eine Aufzucht starten wollen. Ich stehe ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Vielen herzlichen Dank für das Interview.

Kontakt
Garden_ofButterflies@yahoo.com, Facebook: Garden of Butterflies 
E-Mail: engelramona@ymail.com

 


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